Gastbeitrag: umgedrehterunterricht.de – ein Netzwerk entsteht

Bei unserem Workshop am 13. Juni an der Evangelischen Schule Berlin Zentrum nahmen unter anderem Sebastian Schmidt und Felix Fähnrich als externe Referenten teil. Beide haben jetzt gemeinsam mit Carsten Thein und Sebastian Stoll ein Netzwerk von „Unterrichtsflippern“ ins Leben gerufen. Eine gute Gelegenheit, ihnen hier die Möglichkeit zu bieten, über ihre Seite umgedrehterunterricht.de zu schreiben.

Nun haben wir es endlich geschafft: unsere gemeinsame Homepage www.umgedrehterunterricht.de ist fürs Erste fertiggestellt und wartet auf die ersten Besucher.

Wir, das sind vier Lehrer aus Baden-Württemberg und Bayern: Sebastian Schmidt, Carsten Thein, Felix Fähnrich und Sebastian Stoll. Wir alle setzen seit mehreren Jahren das innovative Unterrichtskonzept Flipped Classroom erfolgreich ein. Dabei bereiten sich die Schüler mit Hilfe eines von uns selbst erstellten Erklärvideos von zu Hause aus auf den Unterricht vor und im Unterricht wird dann geübt. Da man nun 45 Minuten Zeit für seine Schüler hat, kann man einen Schritt zurückgehen und in offenen Unterrichtssituationen die Schüler so arbeiten lassen, dass selbstorganisiertes Lernen der Schüler entsteht. Wir sind zwar alle auch ein wenig stolz auf unsere große Zahl an qualitativ hochwertigen Erklärvideos, aber das Effiziente an diesem Konzept ist das Arbeiten im Klassenzimmer. Im traditionellen Unterricht ist der Schüler bei seinen Hausaufgaben auf sich allein gestellt, im Unterricht kann er nun mit Hilfe von ausgewählten Peer-Tutoren und natürlich von der Lehrkraft selbst Feedback erhalten. Sobald sich das System nach einigen Wochen etabliert hat, entsteht so in unseren Klassenzimmern ein Arbeitsklima, das uns Lehrer eine tiefe Zufriedenheit mit unserem Unterricht bringt. Die Schüler arbeiten selbstständig, stellen Fragen, an denen man erkennt, dass sie bereits etwas verstanden haben, und am Ende wird auch das Lehrer-Schüler-Verhältnis stark gefördert. Der Lehrer hat jetzt nicht mehr nur 45 Minuten Zeit zu verbessern und Tipps zu geben, er kann auch Probleme der Schüler auffangen bzw. in Vieraugengesprächen mehr über die Gründe von schlechten Noten erfahren.

Gerade im Fach Mathematik bedarf es einfach immer wieder an einer Konzentration auf die Lehrkraft, die etwas erklären muss. Mit unseren Videos nehmen wir diesen Input aus dem Unterricht heraus. Dabei wollen wir nicht auf entdeckenden Phasen verzichten, wir verschieben sie nur in den Unterricht und geben dann z.B. die Ergebnissicherung als Video mit nach Hause. Man muss also nicht jede Unterrichtssequenz mit einem Video/Input beginnen.

Die Videos erstellen wir mit einer so genannten Screencastsoftware. Diese filmt den Bildschirm und alles, was darauf passiert. In Verbindung mit einem angeschlossenen Mikrofon entsteht daraus ein Screencastvideo. Man kann auf ein Tablet schreiben und das kommentieren und filmen oder man klickt sich durch eine Präsentation und redet dazu, während die Software läuft. In diesem Video wird erklärt, wie man mit der kostenlosen Software Camstudio seine ersten Gehversuche machen kann. Probieren Sie es einfach aus, „Quick and dirty“ sagen Felix und Carsten auch dazu: Haben sie zunächst nicht zu viele perfektionistische Ansprüche an sich selbst.

Vor Jahren haben wir uns dann auf die Suche gemacht, gleichgesinnte Kollegen zu finden und das Ergebnis ist heute diese Homepage. Ohne voneinander zu wissen, haben wir sehr viele ähnliche Erfahrungen gemacht, sehr viele gleiche Elemente im Unterricht umgesetzt und konnten bei unseren ersten Treffen so unseren eigenen Unterricht bestätigen. Darüber haben wir aber auch sehr viel voneinander gelernt: Jeder setzt seinen Flipped Classroom ein wenig anders um, von diesem Wissen profitierten wiederum die anderen Kollegen. So simpel wie sich das Konzept weiter oben beschrieben anhört, ist es dann nämlich nicht immer. Es stellt nicht nur den bisherigen Unterricht auf den Kopf, sondern auch die Vorbereitung, die Lehrerrolle und vieles mehr.

Nun wollen wir mit dieser Homepage versuchen, eine Plattform ins Leben zu rufen, die einen Austausch unter „Flipper“ weiter vorantreiben kann. Gleichzeitig werden wir natürlich auch Informationen zur Verfügung stellen, damit Interessierte einen ersten Zugang zum Konzept erhalten.

Wir laden also alle Kolleginnen und Kollegen ein, unsere Homepage zu besuchen. Bereits aktive Flipper bitten wir, sich in das Formular einzutragen, so dass unsere kleine Gemeinde weiter wachsen kann und wir von den Erfahrungen anderer profitieren können.

Wir freuen uns, von Euch zu hören

Sebastian Schmidt (@FlippedMathe), Carsten Thein und Felix Fähnrich (www.fliptheclassroom.de) und Sebastian Stoll (@180GradFlip)

One Response to “Gastbeitrag: umgedrehterunterricht.de – ein Netzwerk entsteht”

  1. Hi,
    wie geht ihr mit Schülern um, die in diesem „System“ die Hausaufgaben nicht machen, also unvorbereitet da sind?
    Und habt ihr für die Casts spezielle SW, mit der Mathematik „so einfach“ zu schreiben und darzustellen ist?
    I.A. klingt der Ansatz jedenfalls super.
    Kann man dabei die Schüler mitnehmen, die im Grunde gar nicht mitmachen wollen?
    Daumen hoch!
    Henning.

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